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Auch bei der Feier erklingen die Piepser

4. Juli 2017

ALSENZ: Neue DRK-Rettungswache offiziell eingeweiht – Sanitäter rücken seit Anfang Juni im Schnitt drei Mal am Tag aus.

Eine eigene Rettungswache im Ort – daran hatten die Alsenzer Helfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bei der Gründung ihres Ortsvereins am 14. Juni 1958 sicher noch nicht gedacht. Ziemlich genau 59 Jahre später ist es aber so weit: Von der „Rettungswache 17“ aus eilen hochqualifizierte Helfer zu medizinischen Notfällen. Vergangene Woche wurde die neue Wache nun offiziell eingeweiht.

Das dunkle, anthrazitfarbene Gebäude haben viele im Vorbeifahren auf der B 48 vermutlich noch gar nicht wirklich wahrgenommen. Etwas zurückversetzt auf dem Mitfahrparkplatz, gegenüber der Einfahrt nach Alsenz, steht die eher unscheinbare, aber durchaus funktionale Containerwache. Im Innern ist von der einfachen Bauweise nur wenig zu spüren: Neben Büroecke, Ruheräumen, Umkleidebereichen mit Wäschelager und Sanitäranlagen steht den zwei Frauen und sieben Männern des Wachenpersonals ein freundlicher kleiner Aufenthaltsraum mit Couch und Fernsehecke zum Ausruhen in der einsatzfreien Zeit zur Verfügung. Der neue Rettungswagen steht einsatzbereit auf dem Parkplatz nebenan.Vor Gästen von Kommunen, DRK, Feuerwehr und Politik gab der Geschäftsführer der zuständigen DRK-Rettungsdienst Westpfalz GmbH Marco Prinz bei einer kleinen Feierstunde nun den offiziellen Startschuss für die Wache. Diese ist bereits seit Anfang Juni täglich rund um die Uhr besetzt. Die neun Mitarbeiter absolvieren ihren Dienst in Zweierteams und Zwölf-Stundenschichten. Im Bedarfsfall werden sie von der „alten Hauptwache“ in Rockenhausen unterstützt. Dort befindet sich auch die Wachenleitung, die für Dienstpläne und andere Belange zuständig ist.

Im ersten Monat ist der Rettungswagen schon zu rund 90 Einsätzen ausgerückt, im Schnitt also zu rund drei Einsätzen pro Tag – für Prinz eine positive Bilanz, auch wenn er weiß, dass man als Geschäftsführer mit einer Rettungswache und solchen Einsatzzahlen eigentlich nie Gewinn erzielen kann. Doch darum geht es auch nicht. Die zusätzliche Rettungswache wurde notwendig, weil laut Landesrettungsdienstgesetz im Regelfall innerhalb von 15 Minuten Hilfe bei den Betroffenen sein muss. Für die Rettungskräfte aus Rockenhausen wurde das im Bereich der Verbandsgemeinde Alsenz-Obermoschel immer schwieriger. Laut Prinz rechnet man mittlerweile mit einer Einsatzsteigerung von fünf Prozent jährlich.

Dies sei nicht alleine dem demografischen Wandel geschuldet, sondern auch der fortschreitenden medizinischen Aufklärung der Bevölkerung, dem Strukturwandel bei der hausärztlichen Versorgung und den Notfalldienstzentralen, längeren Anfahrtswegen zu Schwerpunktkrankenhäusern und Fachkliniken, aber auch einer steigenden Anspruchshaltung, so der DRK-Geschäftsführer. Nachweislich rufen die Menschen deutlich öfter nach Hilfe als in der Vergangenheit.

Probleme bereiteten bislang die weiten Wege: Waren die Rockenhausener Helfer beispielsweise mit Patienten auf dem Weg ins Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern, in die Bad Kreuznacher Krankenhäuser oder nur nach Kirchheimbolanden, waren sie oft für eine lange Zeit nicht verfügbar. Die Folge: Engpässe in der Sicherstellung der Grundversorgung. Die Einsatzkräfte aus den nächsten Rettungswachen in Meisenheim, Kirchheimbolanden, Lauterecken, Bad Kreuznach oder Bad Sobernheim hatten entsprechend lange Anfahrtszeiten, und auch Rettungshubschrauber sind oft gebunden. Die Zeitspanne bis zum Eintreffen der „Berufretter“ konnte in der Regel nur mittels ehrenamtlicher „First Responder“ (Helfer vor Ort) überbrückt werden, wie sie etwa beim DRK-Ortsverein Alsenz stationiert sind.

Einen deutlichen Handlungsbedarf, so Prinz, hätten bereits erste Auswertungen zu Eintreffzeiten im Bereich Alsenz gezeigt, die die Kreisverwaltung Kaiserslautern als zuständige Aufsichtsbehörde in Kooperation mit dem DRK im Jahr 2015 vornahm. In Gesprächen mit der Kreisverwaltung Donnersbergkreis, allen voran Landrat Winfried Werner und Dezernent Fabian Kirsch, und dem damaligen VG-Bürgermeister Arno Mohr habe sich der Mitfahrerparkplatz schnell als geeigneter Standort herauskristallisiert. Sicher die beste Lösung für das Einsatzteam und die Kommune, wenn auch nicht die einfachste, ergänzte der VG-Beigeordnete und Ortsbürgermeister Klaus Zepp. Anfang 2017 wurden die Container bestellt, auch für Wasser, Abwasser, Strom und Telekommunikation wurde gesorgt. Dank zollten die Verantwortlichen Arno Mohr. Er habe es verstanden, die zuständigen Leute an einen Tisch zu bringen und unbürokratisch Lösungen zu finden, so Prinz.

Der Dank ging aber auch an den Landesbetrieb Mobilität, der die Fläche auf dem Parkplatz zur Verfügung gestellt hatte. Von den Kosten – rund 90.000 Euro – übernimmt der Landkreis 70.000 Euro. Eine wichtige und notwendige Investition, wie Landrat Winfried Werner sagte. Mit der Alsenzer Wache könne die notfallmedizinische Versorgung auch in unserer topografisch oft etwas problematischen Landschaft deutlich verbessert und sichergestellt werden, so Werner. Er bezeichnete das DRK als unverzichtbaren Partner in diesem Bereich, ohne den diese Aufgabe nicht zu stemmen sei. Er wünschte dem Personal eine gesunde und unfallfreie Arbeit und zeigte sich selbst gespannt auf einen eventuellen massiven Nachfolgerbau, sollte sich die Einrichtung bewähren. Schon jetzt sei bei der Wache Rockenhausen eine deutliche Entlastung und eine Minimierung der Eintreffzeiten durch die beiden neuen Standorte Winnweiler und Alsenz spürbar. Zudem habe man erneut neue Vollzeitarbeitsstellen geschaffen. Insgesamt waren es im Rettungsdienstverbund 45 Neustellen in den letzten zwölf Monaten – sichere Arbeitsstellen, wie der DRK-Geschäftsführer betonte. Viel Zeit zum Feiern ihrer neuen Wache blieb den Einsatzkräften nicht: Kaum neigte sich die Feierstunde dem Ende zu, ertönten die Piepser.

Quelle: Die Rheinpfalz - Donnersberger Rundschau - Nr. 152, von Torsten Schlemmer