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Wenn der Sensor Alarm schlägt

v.l. Marco Prinz (Geschäftsführer der DRK Rettungsdienst Westpfalz GmbH)
und Mitarbeiter Tim Müller

19. Mai 2017

Digitale Stadt: Die Arbeitsgruppe Gesundheit will mit Vernetzung Leben retten – oder zumindest verbessern

„Zeit“ ist das große Stichwort in der Arbeitsgruppe Gesundheit im Bitkom-Wettbewerb um die „Digitale Stadt“: Mehr Zeit sollen die Menschen künftig in ihren eigenen vier Wänden verbringen können, weniger Zeit dagegen im Krankenhaus. Und bei Notfällen kommt’s sowieso auf jede Sekunde an. In allen Fällen kann die Technik helfen, Lebensqualität von Senioren oder Menschen mit Beeinträchtigung zu steigern – oder gar Leben zu retten.

Unter den Top-3 der Wünsche älterer Menschen ist es, dass sie möglichst lange Daheim ein selbstbestimmtes Leben führen wollen“, sagt Marco Prinz, Geschäftsführer der Rettungsdienst Westpfalz GmbH. Eine Umfrage des DRK habe das gezeigt. Um es den Senioren zu ermöglichen, alleine in der eigenen Wohnung zu bleiben, gibt es verschiedene Systeme. Eines davon ist der Hausnotruf. Prinz: „Da müssen die Kunden selbst aktiv werden – wer ohnmächtig ist, der kann keine Hilfe rufen.“

Da kommt das „Ambient Assisted Living“ ins Spiel. Dieter Rombach vom Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE), erklärt, was sich hinter dem Begriff verbirgt: „Wir bringen eine ganze Reihe von Sensoren in der Wohnung an. Die erkennen, wenn etwas nicht stimmt.“ Das könnten Sensoren in der Matratze sein, die den Puls messen und Unregelmäßigkeiten an den Arzt melden. Oder Drucksensoren im Teppich, die erkennen, wenn jemand gestürzt ist und nicht aufsteht. Rombach: „Was die Menschen an Alter gewinnen, sollten sie nicht im Altersheim verbringen müssen.“

Dass die „Ambient Assisted Living“-Konzepte nicht nur für Senioren interessant sind, bestätigt David Lyle von der Lebenshilfe: „Das passt prinzipiell auch für Menschen mit einer Behinderung. Wenn die alleine leben können, bedeutet das für sie ein wichtiges Stück Freiheit.“

Mit solchen Systemen sei es denkbar, erläutert Rombach, dass Patienten nach einer Operation schneller wieder nach Hause entlassen werden könnten. Komme es zu Komplikationen, schlage das System Alarm. Stichwort: Telemonitoring.

Prinz denk weiter: „Wenn also jemand nicht aufsteht und der Notruf automatisch ausgelöst wird, bekommt der Rettungsdienst nicht nur die Adresse und eine große Angabe des Falles, sondern direkt die Krankengeschichte des Mannes auf ein Display.“ Welche Vorerkrankungen hat die Person? Welche Allergien? So könnten sich die Rettungswagenbesatzungen und Notärzte schon auf dem Weg zum Patienten vorbereiten. „Weitergedacht kann im Behandlungsraum des Westpfalz-Klinikums ein großer Fernseher hängen, auf dem die Ärzte die Vitalparameter des im Rettungswagen liegenden Patienten sehen“, sagt Prinz.

Und Rombach setzt noch einen drauf: „Mit Datenbrillen könnten Ärzte aus dem Krankenhaus heraus den Rettungsdienst anleiten, wie er in bestimmten Fällen vorgehen sollte.“ Während das momentan noch Zukunftsmusik ist, gebe es die anderen Technologien bereits. Rombach: „Hier ist die große Herausforderung, das alles miteinander zu vernetzen.“ Dabei könnte der Gewinn des „Digitale Stadt“-Wettbewerbs kräftig helfen. Prinz: „Mit der Anschubfinanzierung könnten wir das schneller auf die Straße bringen.“

Einig sind sich Lyle, Prinz und Rombach darin, dass im Gesundheitsbereich die Technik den Menschen nie ersetzen könne, aber sehr wohl die Lebensqualität der Menschen verbessern könne.

Quelle: Die Rheinpfalz - Pfälzische Volkszeitung - Nr. 116, von Benjamin Ginkel